Geschichte unserer Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Palzing bedankt sich bei allen Stellen und Personen, ohne deren Auskünfte und Nachschlagematerial dieser Überblick über die Geschichte der Feuerwehr in Palzing gar nicht möglich gewesen wäre.

Die Anfänge Ende des 19. Jahrhunderts Bau des Ersten Feuerwehrhauses Anfang des 20. Jahrhunderts
Von 1926 bis 1945 In der Nachkriegszeit In der neueren Zeit Aktuell

Die Anfänge

Zu Beginn unserer Suche nach den Anfängen der Freiwilligen Feuerwehr Palzing war als sicheres Datum von einer Gründung nur die Jahreszahl 1874, auf der Feuerwehrfahne aus dem Jahre 1953, vorhanden. Auf diese Konstellation wurde auch die Terminierung für das 125-jährige Gründungsfest ausgelegt. Leider sind aus der Gründerzeit unserer Feuerwehr keine Aufzeichnungen mehr vorhanden. Ebenso konnte nicht mehr festgestellt werden, wie man bei der Fahnenweihe auf das Jahr 1874 kam. Erst im Rahmen dieser Nachforschungen bemerkten wir, daß schon viel eher eine Feuerwehr in Palzing vorhanden war. Erstmals erwähnt wird eine Feuerwehr in Palzing im Jahr 1868. Bei dieser könnte es sich jedoch um eine Pflichtfeuerwehr gehandelt haben, da als Kommandant oder Hauptmann Xaver Radlmaier, Fischer in Palzing angegeben wird und der zur gleichen Zeit auch Bürgermeister in Palzing war.

Zu dieser Zeit hatte der Ort 31 Anwesen, deren Gebäude hauptsächlich aus Holz und die Dächer aus Stroh waren. Bei Blitzschlag oder leichtfertigem Umgang mit dem Feuer im Haus kann sich jeder vorstellen, wie schnell ein Gehöft oder gar ganze Dorfteile durch Brand vernichtet wurden. Bereits im Jahr 1871 wurde vom Bezirksamt Freising angeregt, daß sich die Gemeinden Haindlfing, Tüntenhausen und Itzling und deren Feuerwehren zu einer größeren Körperschaft zusammenschließen. Dabei zog man auch die Gemeinde Palzing in Betracht, da diese noch keine Löschmaschine besaß. Laut Angaben aus dem Staatsarchiv München besteht seit dem 10.3.1873 eine Freiwillige Feuerwehr in Palzing. Es konnte aber keine sogenannte Gründungsurkunde ausfindig gemacht werden. Diesen Angaben jedoch widerspricht ein Schreiben der Gemeinde Palzing an das Königliche Bezirksamt Freising vom 8. September 1873, in dem es heißt: Pflichtfeuerwehr betreffend, die Gemeindeverwaltung legt dem Bezirksamt das Namensverzeichnis samt Geschäftszuteilung der verpflichteten Mannschaft, der bereits am 19. Juli dieses Jahres errichteten Pflichtfeuerwehr vor und bittet mit gesetzlicher Strenge gegen die allenfalls zur Anzeige kommenden Widerspenstigen einzuschreiten.

Feuerwehrspritze

Am 6. Oktober 1873 kauft die Gemeinde Palzing in München beim Kgl. Hof Löschmaschinenfabrikanten. Dominikus Kirchmair eine vierrädrige Saug- und Druckspritze für 550 Gulden. Wahrscheinlich wurde dieser Kauf nur getätigt, um die Kgl. Allg. Feuerlöschordnung vom 30.3.1871 zu erfüllen. Diese schreibt vor, daß in jeder Ortschaft mit mehr als 20 Wohngebäuden eine Feuerlöschmaschine in einem zu jederzeit brauchbaren Zustand bereitgehalten werden muß. Laut der Quittung von Kirchmair wurde die Löschmaschine erst im Dezember 1874 geliefert. In den Gemeindeakten der Gemeinde erscheint die Freiwillige Feuerwehr Palzing erstmals am 30. März 1875. Hierbei handelt es sich um eine Rechnung für 16 „messingerne“ Feuerwehrhelme von Dionys Weidlein aus Pfaffenhofen an das Commando der Freiwilligen Feuerwehr Palzing. Wir können daraus schließen, daß die Pflichtfeuerwehr von 1868 nicht sehr lange Bestand hatte, so daß 1873 von der Gemeinde wieder eine neue Mannschaft aufgestellt wurde. Die Gemeindeverwaltung vermutete wiederum mangelnde Eifrigkeit der Verpflichteten. Dies bestätigte sich diesmal nicht, da sich aus der Pflichtfeuerwehr im Laufe der Jahre 1873 bis 1875 eine Freiwillige Feuerwehr bildete und im Verzeichnis der Feuerwehrmannschaft steht bald hinter allen Pflichtigen das Wort "freiwillig".

Daß eine neue Löschmaschine in dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit war, zeigt das Beispiel des Nachbarortes Wolfersdorf. Deren Feuerwehr wurde zwar ebenfalls 1873 gegründet, besaß aber in den Anfangsjahren noch keine Löschmaschine. Um Spritzenübungen halten zu können mußte, man sich die Feuerspritze in Palzing ausleihen. Der Brand beim Grintler in Billingsdorf am 24.9.1876 war der erste bekannte Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Palzing. Nachdem das Anwesen bereits nach kurzer Zeit in Flammen stand, konnten die Feuerwehren Palzing, Kirchdorf, Attenkirchen, Zolling und Thalhausen mit ihren Löschmaschinen nicht mehr viel retten. Lediglich das Wohnhaus hätte man vor den Flammen bewahren können, wenn die Feuerwehr Wolfersdorf über eine Löschmaschine verfügt hätte. Ohne Feuerspritze konnte sich die Feuerwehr nur darauf beschränken, Mensch und Tier sowie die bewegliche Habe vor dem Feuer zu retten. Hier zeigte sich nun, wie wichtig eine gut ausgebildete Feuerwehr mit Löschmaschine für die Einwohner von Palzing und der näheren Umgebung war.

Für die kleine Landgemeinde Palzing war der Kauf dieser Löschmaschine sicher ein finanzieller Kraftakt. Als Veranschaulichung im Vergleich die Preise für 1 Pfd. Brot 3 kr. und 1 Ltr. Bier 5 kr. ( l fl. Gulden = 60 kr. (Kreuzer) = 2lO Pf. (Pfennig) = 420 h (Heller). Wie aus der Kopie des Löschmaschinenvertrages hervorgeht, wurde die Spritze in 3 Raten bezahlt. Die 1. Rate bei Lieferung und Probe der Löschmaschine am 1.6.1874 waren 100 fl. in bar, die 2. Rate mit 300 fl. im September 1874, und der Rest wurde vom 1.6.1874 mit 4% verzinst. Es konnte nicht mehr festgestellt werden, wann die 3. Rate bezahlt wurde. Die Freiwillige Feuerwehr Palzing muß sich in ihren Anfangsjahren als recht ordentliche Truppe herausgestellt haben. Dafür griff die Gemeinde Palzing noch mal in den Gemeindesäckel. Dies zeigt das Inventarverzeichnis der Requisiten der Freiwilligen Feuerwehr, das leider ohne Datum ist. Es muß jedoch vor dem 1.1.1876 angefertigt worden sein, da die Wertangaben noch in bayr. Gulden aufgeführt sind (1 bayr. Gulden = 1,71 Mark). Hierin wurden aufgeführt:

  1. Eine doppeltönige Signalhuppn mit roter Schnur, beim Signalist Joh. Widmann, Wert 4 fl. 30 kr., gekauft bei X. Thunhart in München
  2. 2 Signalhörner mit roten Schnüren, aufbewahrt bei Zellner Anton, Wert 7 fl. 30 kr. gekauft in München
  3. Löschmaschine samt 3 Schläuchen, steht in der Wagenremise (Garage) beim Wirt, Wert 570 fl. von Kirchmair in München
  4. 1 große Feuerleiter und 3 kleine Steigleitern, ebenfalls in der Wagenremise beim Wirt Wert 12 fl.
  5. 1 Steigerbeil mit Tasche, bei Widmann, Math., Wert 5 fl. von Kohlendorfer in Landshut
  6. 3 Gurten mit Zubehör bei der Mannschaft, Wert 8 fl. 39 kr., ebenfalls von Kohlendorfer in Landshut
  7. 16 Stück Feuerwehrhelme, bei der Mannschaft laut Verzeichnis, Wert 70 fl. 30 kr., von Weidlein Pfaffenhofen (siehe oben)
  8. 13 Stück Beile mit Gurten, bei der Mannschaft laut Verzeichnis, im Wert von 58 fl. 7 kr. gefertigt vom Sattler Eder in Kirchdorf